Literatur

 

Oliver Bottini, Ein paar Tage Licht, Kriminalroman

oliver-bottini-ein-paar-tage-licht.jpg Algerien: Afrikas größtes Land, mit Reichtum gesegnet, im Innersten zerrissen. Hier wird ein deutscher Rüstungsmanager entführt, angeblich von islamistischen Terroristen, so der algerische Geheimdienst. Doch für BKA-Mann Ralf Eley, an der deutschen Botschaft in Algier stationiert, passen zu viele Puzzlestücke nicht zusammen. Allerdings kann er nicht ermitteln, ohne die Ausweisung zu riskieren. Also tut er es diskret, mithilfe der algerischen Untersuchungsrichterin Amel, seiner heimlichen Geliebten. Bald wird klar, dass es um viel mehr geht als um das Leben eines Entführten. Denn zahlreiche Spuren führen nach Deutschland, zu einem schwäbischen Waffenhersteller. Und Eley begreift: Wenn er die Wahrheit ans Licht bringen will, muss er alles aufs Spiel setzen.

Auf virtuose Weise verwebt Oliver Bottini das Thema (deutsche) Rüstungsexporte in einem mitreißenden Kriminalroman. Präzise lotet er die Untiefen von Macht und Unterdrückung aus und führt mit eindrucksvoller Intensität vor Augen, woran das System immer kranken wird am Mangel an Menschlichkeit.

Akli Tadjer, Die beste Art zu lieben

Aus dem Französischen von Schirin Nowrousianakli-tadjer-die-beste-art-zu-lieben.jpgSaïd Meziane lebt als Versicherungsmakler in Paris und hat ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter Fatima, die 1962 aus Algerien nach Frankreich gekommen ist, um ein neues Leben anzufangen. Als sie einen Schlaganfall erleidet, ist sie gelähmt und kann nicht mehr sprechen. In ihrem Kopf ist die algerische Heimat lebendig: Ihre Eltern, die bei einem selbstverübten Terroranschlag sterben, die Kindheit als Waise, die Flucht nach Frankreich und vor allem das geheimnisvolle Mädchen im gelben Kleid, das ihre Gedanken beherrscht.
In wechselnden Erzählperspektiven zwischen Mutter und Sohn zeichnet Akli Tadjer das Bild ihrer Beziehung und fügt wie ein Mosaik die bewegte Lebensgeschichte Fatimas zusammen. Seine Sprache ist derb und direkt, aber gleichzeitig humorvoll und zärtlich.

Yasmina Khadra, Der Schreiber von Kolea

Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawekhadra-der-schreiber-von-kolea.jpg Als hoher Offizier der algerischen Armee veröffentlichte Mohammed Moulessehoul seine ersten Romane wegen der strengen Zensurbestimmungen unter weiblichem Pseudonym: Hommage an die Courage der algerischen Frauen in finsterer Zeit. Erst nachdem er im Jahr 2000 mit seiner Familie nach Frankreich geht, kann er das Geheimnis um seine Identität lüften. Yasmina Khadra zählt heute zu den wichtigsten literarischen Stimmen der arabischen Welt und ist einer der erfolgreichsten Autoren Europas. `Der Schreiber von Koléa´ ist sein persönlichstes Buch, sein bestes, sagen viele. In ausdrucksstarker, bildhafter Prosa, mit Tempo und analytischer Schärfe schlägt er sich mit seiner Feder einen Weg durch den algerischen Dschungel und erzählt von einer Jugend in Nordafrika. Der junge Mohammed will Schriftsteller werden. Sein Vater zwingt ihn zu einer Karriere beim Militär. Mohammed flüchtet in die Welt der Literatur. Heimlich beginnt er zu schreiben. Eine folgenschwere Entscheidung, denn die Bürgerkriegsarmee duldet keine Schriftsteller! Diese leidenschaftliche Stimme geht zu Herzen.

Sujet Verlag

Amin Zaoui, Das Zimmer der unkeuschen Jungfrau

Aus dem Französischen von Christine Belakhdar

amin-zaoui-das-zimmer-der-unkeuschen-jungfrau.jpg Diese Handschrift verbreitete sich über die gesamte islamische Welt, hatte mein Vater in seinen verwegenen und verschlüsselten Aufzeichnungen geschrieben. Getrieben von dieser Prophezeiung, war er auf den Spuren dieser Handschrift drei Mal um die islamische Welt gereist. Eines Tages hatte Allah seine Füße auf den Weg zu einer in ihrer Art einzigartigen Stadt gesetzt. Vor ihren Toren hatte er das Gebet des Reisenden verrichtet. Als er die Schwelle dieser Tamentit genannten, in der Wüste aller Wüsten vergessenen Stadt überschritt, verriet ihm sein Herz rasch das größte aller Geheimnisse. Er hatte eine schöne weibliche Stimme gehört, die den Koran vortrug. Schnellen Schrittes war er zum Wochenmarkt gelaufen und rief aus: Ich habe sie gefunden! Ich habe sie gefunden!”

Adieu Kerim, Abdelkerim Touati touati.jpgEin sowohl ungewöhnlicher wie exemplarischer Lebensweg, der durch die politischen Vorgänge der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre bestimmt wurde. Es war eine andere Zeit: Zwischen den „Supermächten” herrschte der „Kalte Krieg”, Deutschland war in zwei feindliche Teile gespalten und die europäischen Kolonialreiche lösten sich auf, oftmals im Zuge unerbittlich geführter Befreiungskriege… Dokumente zur deutsch-algerischen Geschichte während des Unabhängigkeitskrieges

ISBN 978-3-94092-628-9, ihleo verlag, Husum,  2013. 176 Seiten, 14,95 Euro

http://www.ihleo-verlag.de/ihleoverlag_de/Seiten/autoren/touati.html


Maghreb - eine kleine Weltgeschichte

Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe

sansal_maghreb_neu.jpg  Ein Bogen, der sich über vier Jahrtausende und Tausende von Meilen spannt, von den Quellen des Nils bis zu den Kanaren, immer den Berbern, der Urbevölkerung des Maghreb, auf der Spur. Und zugleich auf der Suche nach Neuorientierung für jene Region, in der der arabische Frühling seine ersten Jasminblüten trieb, und in der heute mehr denn je die Frage im Raum steht: Wer bin ich, will ich mich nicht länger nur als Araber und Muslim definieren? Schicht für Schicht legt Boualem Sansal unter dem modernen Algerien den historischen Maghreb, das antike Numidien, das pharaonische Ägypten frei, in einem schwindel-erregend gelehrten Essay, und zugleich in amüsantem Plauderton.
Boualem Sansal gewährt uns Einblick in eine mitunter so fremde wie fremdbestimmte Geschichte - die doch ebenso sehr die Geschichte Europas wie jene des Maghreb ist. Wagen wir mit ihm das Abenteuer der Erinnerung!

ISBN 978-3-86280-041-4, € 19,90

Kamel Daoud, Minotaurus

Aus dem Französischen von Sonja Finck

minotaurus1.jpg    Vier Personen erheben ihre Stimme: Ein in die Jahre gekommener Taxifahrer warnt in seinem klapperigen Peugeot 504 die Fahrgäste vor der Hauptstadt, die ihm seine Illusionen geraubt hat. Ein ehemaliger Luftwaffenoffizier hat mit eigenen Händen ein Flugzeug gebaut, das er auf der internationalen Messe in Algier ausstellt, doch es interessiert sich niemand dafür. Ein junger Algerier nimmt am 10 000-Meter-Lauf der Olympiade in Athen teil und kann nicht aufhören zu laufen. Ein Ghostwriter, der die Erinnerungen eines alten Analphabeten aufschreiben soll, fällt aus seiner Rolle und verändert den Text nach Gutdünken.
Verloren im Labyrinth ihrer Obsessionen, verfolgen diese “Helden” unermüdlich ihr Ziel. Sie kämpfen, um ihrem Dasein einen Sinn zu geben. In Daouds Erzählungen wird sichtbar, warum es in Algerien nach zehn Jahren Bürgerkrieg und weiteren zehn Jahren politischen Stillstands keinen “Frühling” gibt wie anderswo und weshalb Zehntausende junger Männer ihr Leben riskieren, um Europa über das Mittelmeer zu erreichen.
In Deutschland und Algerien wissen wir zu wenig voneinander. “Ich freue mich über die deutsche Ausgabe”, schreibt Kamel Daoud, “in der Hoffnung, Ihre Leser mit einem imaginären Algerier und Araber bekannt zu machen.”
ISBN 978-3-92I4652-38-8, 12,50 €

Christopher Kalter, Die Entdeckung der Dritten Welt. Dekolonisierung und neue radikale Linke in Frankreich, campus, 2012

christopher-kalter_die-entdeckung-der-dritten-welt.jpgIn den langen 1960er Jahren, im Kontext des Kalten Krieges und der Dekolonisierung, wurde das Konzept „Dritte Welt” weltweit bekannt. In Frankreich war es auch für linke Gruppen zentral, die sich durch radikalen Antikolonialismus auszeichneten. Sie halfen der algerischen Befreiungsbewegung, protestierten gegen den Vietnamkrieg und solidarisierten sich mit post-kolonialen Arbeitsmigranten. Christopher Kalter untersucht diese neue radikale Linke und ihre Wahrnehmung der Welt als Revolutionsraum. Er rückt damit die ‘68er-Proteste in ein neues Licht und zeigt, wie sehr das Ende der Kolonialreiche auch Europa selbst veränderte.

ISBN 978-3-593-39480-0

www.campus.de

Maïssa Bey, Ausgeblendet. Donata Kinzelbach, 2012
maissa-bey_ausgeblendet.jpgEine Zugfahrt nach Marseille wird eine Reise zur Wahrheit über den Algerienkrieg. Im Abteil konfrontiert sind ein älterer Franzose, eine Algerierin, die wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat in Frankreich lebt, und ein junges Mädchen, Enkelin von Algerien-Franzosen, die ihr gegenüber den Unabhängigkeitskrieg stets totgeschwiegen haben.
Die Gespräche führen zurück ins Jahr 1057. Der Vater der Algerierin starb unter der Folter der Franzosen. Der ältere Herr diente damals als Rekrut am Ort der Grausamkeiten. Nach dem Krieg wurde dieser Teil der französischen Geschichte kollektiv ausgeblendet. Doch die Tatsachen sind stärker, werden bedrängend. Ein Bericht von höchster Intensität, frei von Rachegedanken. Das Buch ist ein wichtiges Dokument humaner Gesinnung.

ISBN 978-3-942490-06-1

www.kinzelbach-verlag.de - http://www.youtube.com/watch?v=7L8HZ1f5w6Y&feature=share

Ricarda Bienbeck, Frankophone Literaturen und Kulturen außerhalb Europasscannen0001-kopie.jpgDiese Analyse des Erzählwerks von Maïssa Bey versteht deren Prosa als ästhetisch vielschichtig gestaltete Fiktionen, die die Themen Identität und Geschichte in den Vordergrund rücken.
Sie will Komplexität und Modernität der Texte erweisen, indem eine narrative Distanzierung von traditionellen ethnografischen, gender-orientierten oder gesellschaftlich-referentiellen Repräsentationskonzepten aufgezeigt wird. Beys Werk erlaubt so nicht nur einen Blick auf das Leben in Algerien, sondern es stellt vor allem eine kritische Reflexion der Möglichkeiten einer literarischen Repräsentation von Welt dar.

978-3-643-11533-1www.lit-verlag.de

Gerhard Zázworka

… bis ein Wandel möglich wird. Eine Deutsche inmitten der algerischen Krise.

g-zazworka-bis-ein-wandel-moglich-wird-kopie.jpgGerhard Zázworka lässt uns in seinem Roman das spannende Schicksal einer in Algerien lebenden Deutschen inmitten der dortigen Krise erleben. Er führt uns von Algier in die Sahararegion, die ihn auf seinen früheren Fahrten durch das Land fasziniert hatte. Dort macht er uns mit Wüstenbewohnern als Helden der Handlung bekannt, von deren Hoffnungen und Wünschen er zu erzählen weiß. Der Autor war vor Jahren mit Teilnehmern des opferreichen Befreiungskampfes gegen die französische Armee bekannt geworden. Damals hatten sie begonnen, in ihrem Land für ihre Frauen und Kinder die weitverbreitete Armut und Arbeitslosigkeit abzuschaffen, die Sahara eines Tages bewohnbar zu machen und die Rechte der Bürger zu garantieren. Inmitten der zunehmenden Konfrontation in Algerien führt uns Gerhard Zázworka auf die Spur von Attentätern und versucht zugleich, ein verständnisvolles Bild vieler Muslime zu zeichnen. Eingebettet in diese Geschehnisse enthält der Spannungsbogen des Romans das Werden und die dramatische Krise der Liebesbeziehungen der Hauptpersonen Rebecca, Peter und Ahmed.

264 S., 15,00€ ISBN 978-3-939223-04-7 BuchHaus-Verlag Berlin 2011

Abdelkader Rafoud

50 Jahre marokkanische Migration


rafoud_50-jahre-marokkanische-migration.jpg“Ich bin in Marokko geboren. Das Schicksal machte mich zum Migranten. Heute lebe ich mit meiner eigenen Familie in Deutschland … ”
(Zitat aus dem Buch)

Obgleich marokkanische Migrantinnen und Migranten bereits zu Anfang der 60er Jahre als Arbeitskräfte in die Bundesrepublik Deutschland angeworben wurden, sind sie auch heute noch eine kleine Minderheit unter den bei uns lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Anstoß zu diesem Sachbuch gaben die beiden Feierstunden “50 Jahre Marokkanische Migration” des Zentralrates der Marokkaner in Deutschland im September 2010 in Frankfurt und Essen.

126 Seiten, ISBN 978-3-942490-05-4       Euro 15.00  Verlag Donata Kinzelbach 2010


Yasmina KhadraDie Schuld des Tages an die Nacht, Ullstein 2010

Deutsch von  Regina Keil-Sagawe

An der Küste Algeriens wächst ein arabischer Junge im französischen Viertel der Stadt Rio Salado auf. Über Jahrzehnte hinweg wird das bewegende Schicksal von Jonas und seiner großen Liebe Émilie zum Symbol für das dramatische Verhältnis von Orient und Okzident und die nie versiegende Hoffnung auf Versöhnung. Yasmina Khadra ist mit seinem neuen Roman ein großes Epos über die Sehnsucht zwischen zwei Welten gelungen.

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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1293947/

Maissa Bey

Nachts unterm Jasmin
Deutsch von Christine Belakhdar

Maissa Bey thematisiert in ihren Erzählungen die vielfältigen Schicksale und Probleme von algerischen Frauen und Männern, wir erfahren von ihren Sehnsüchten, ihren Zweifeln, ihrem Kampf um ein besseres Leben. Erzählstränge, eingebettet in das Zeitgeschehen und in Rückblicke in die Geschichte verschaffen einen objektiven Überblick über die Befindlichkeit des heutigen Algeriens.

Donata Kinzelbach, Mainz 2010
ISBN 978-3-927069-98-5

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http://www.wdr5.de/sendungen/buecher-das-wdr-5-literaturmagazin/s/d/19.09.2010-15.05.html#beitrag40284



Maïssa Bey liestam 16. Februar 2011 in Mainz (Institut français) - http://www.institut-francais.fr/-mainz-.html?lang=de

am 18. Februar in Bochum (Bahnhof Langendreer) - http://www.bahnhof-langendreer.de/

am 20. Februar in Köln (Allerweltshaus) - http://www.allerweltshaus.de/

Abdelhak Serhane

Der Mann aus den Bergen
Deutsch von Rutz Wentzel

Auf bewegende Weise schildert der Autor eine marokkanische Kindheit in den fünfziger Jahren in einer sehr armen Familie im Hoch-Atlas. Materielles und emotionales Elend prägen die Kindheit, die von einem gewalttätigen Vater und einer unterwürfigen Mutter bestimmt wird. Anhand von Zeitungsfetzen, mit denen der Vater die Decke des Hauses tapeziert hat, eignet sich der Protagonist die französische Sprache an. Nach und nach wird er sich der wenig beneidenswerten Lage seiner Landsleute bewusst. Mithilfe einer Fülle von oft bewegenden Anekdoten aus der Familiengeschichte zeichnet Serhane ein genaues Bild einer durch Korruption und religiöse Verbote verdorbenen Gesellschaft. Der Autor legt damit ein ausdrucksstarkes, engagiertes Buch vor.

Donata Kinzelbach, Mainz 2010
ISBN: 978-3-927069-99-2

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http://www.wdr5.de/sendungen/buecher-das-wdr-5-literaturmagazin/s/d/16.01.2011-15.05.html

Rachida Lamrabet

Frauenland
Deutsch von Heike Baryga

frauenland_cover.JPG“Frauenland” nennen die marokkanischen Männer den europäischen Westen, überzeugt, dort hätten die Frauen das Sagen. Jenen, die aus Liebe dorthin auswandern, wird dies als Schwäche ausgelegt.
Ein Literaturstudent namens Younes lernt die seit ihrer Kindheit in Belgien lebende und in ihrem Job erfolgreiche Marokkanerin Mariam während ihres Urlaubs in Marokko kennen und lieben. Aus einer Laune heraus versprechen sie sich gegenseitig die Heirat. Wieder in Belgien vergisst ihn Mariam. Younes hingegen kann sie nicht vergessen, er schreibt ihr jahrelang unbeantwortet bleibende Briefe. Einen letzten Brief will er ihr persönlich übergeben. Bei der illegalen Überfahrt nach Europa ertrinkt er, doch der Brief gelangt durch einen Überlebenden zu Mariam. Ihr Bruder überredet seine Schwester zur Fahrt nach Marokko, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen.
Diese Reise wird für sie zur Selbstprüfung. Sie gerät in einen tiefen Identitätskonflikt und erkennt auf ihrer Identitätssuche, dass sie einen eigenen Lebensentwurf zwischen den Kulturen gestalten muss.
Der unterhaltsame Roman ist die bewegende Geschichte einer jungen Frau zwischen Selbst- und Fremdbestimmung, zwischen Okzident und Orient, zwischen Heimat und Heimatlosigkeit, zwischen Tradition und Moderne.
Rezension: Christiana Puschak

Luchterhand, München, 2009

ISBN: 978-3630621753

Florence Hervé (Hg.)

wurde 1944 in Frankreich geboren und ist promovierte Germanistin. Sie bereiste mehrere Wüsten und veröffentlichte im AvivA Verlag bereits den Band “Sehnsucht nach den Bergen” über Schriftstellerinnen im Gebirge.

Durch den Sand Durch den Sand

Im Bann der Wüste - Die Wüste ist ein Ort der Träume und Alpträume, des Glücks und des Schmerzes, des Lebens und des Todes. Mythen umgeben sie. Sie ist nicht nur Dürre und Einöde, sie kann blühen. Sie ist Symbol für Unendlichkeit und Freiheit. Faszination und Gefahr stehen nebeneinander.
Schriftstellerinnen wie Nelly Sachs und Ingeborg Bachmann, Isabelle Eberhardt und Else Lasker-Schüler, Assia Djebar und Christa Wolf erzählen von überwältigenden Erfahrungen, ungewissen Abenteuern, anderen Kulturen und zwischenmenschlichen Beziehungen und lassen eine ganz besondere Landschaft entdecken.
»Die Wüste. Reiner Raum, ausgelegt für die Reise der Phantasie.« (Etel Adnan)

AvivA Verlag, 2010
ISBN 978-3-932338-41-0

Boualem Sansal

wurde 1948 in Téniet el Had, Algerien, geboren. Seine literarische Karriere begann der gelernte Ingenieur und promovierte Ökonom erst im Alter von 50 Jahren.

Buch “Postlagernd: Algier”Postlagernd: Algier
ist eine Aufforderung an alle aufgeklärten Weltbürger, öffentlich für Freiheit und Menschlichkeit und gegen die Indoktrinierung durch politische Systeme und Kasten einzutreten.
Deutsch von Ulrich Zieger
Merlin Verlag, 2008
ISBN 978-3-87536-267-1

sansal_harraga.jpgHarraga
Sansals Hommage an die Frauen ist die vitale Geschichte zweier Heldinnen des Alltags. Lamia arbeitet als Kinderärztin in einem trostlosen Krankenhaus in Algier. Die Abende verbringt sie allein in ihrem alten Haus und hängt längst verblassten Erinnerungen nach. Von ihrer Familie ist nur ihr Bruder Sofiane geblieben, doch dessen Spur verliert sich auf dem Weg ins Gelobte Land Europa.
Alles ändert sich mit dem Tag, an dem Chérifa vor der Tür steht: 16 Jahre alt, schwanger, ohne Zuhause. Lamia ist entsetzt - Chérifa schert sich einen Teufel darum, was ein junges Mädchen in der arabischen Welt tun darf oder besser bleiben lässt. Und schon bald kommt es zu einem folgenschweren Streit.
Harraga - so bezeichnet man in Algerien diejenigen, die sich auf den Weg nach Europa gemacht haben. Unterwegs verbrennen sie ihre Papiere, um nicht wieder abgeschoben werden zu können.
Deutsch von Rieck Walther
Merlin Verlag, 2007
ISBN 978-3-87536-254

bs_baum.JPGErzähl mir was vom Paradies

Allabendlich treffen sich in der Bar des Amis in Algier ein Schriftsteller, ein alter Widerstandskämpfer, CAC 40 und Doc Tarik. Man raucht Zigaretten, gibt sich endloser Trinkerei hin und… übertrifft sich mit den unglaublichsten Geschichten. In der Bar erfinden sie Algerien neu: zwischen Traum, Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht und dem Elend des Alltags.

Da ist zum Beispiel die Geschichte von Doc Tarik. Sie handelt vom Kampf gegen die Cholera und die Krankenhausverwaltung, von Begegnungen mit der Staatssicherheit und dem Gefängnis. Tariks Reise in das Dorf seiner Kindheit wird zu einer Bestandsaufnahme des heutigen Algerien zwischen Farce und Alptraum.

Übersetzt von Regina Keil-Sagawe

Merlin Verlag, 2004
ISBN 978-3-87536-245-4

bs_verrucktes-kind.JPGDas verrückte Kind aus dem holen Baum

Im Zuchthaus von Lambèse teilen sich zwei zum Tode Verurteilte die Zelle. Der 1957 in Algerien geborene Franzose Pierre Chaumet war heimlich ins Land zurückgekehrt, um seine leibliche Mutter wiederzufinden. Der Algerier Farid hat sich vormals an den Grausamkeiten der Islamisten beteiligt. Während Pierre und Farid in ihrer Zelle über das Leben und Algerien diskutieren, bereitet die internationale Menschenrechtskommission ihren Besuch im Gefängnis vor. Angesichts dessen gerät die Verwaltung von Lambèse in helle Aufregung…

Übersetzt von Riek Walther

Merlin Verlag, 2002
ISBN 978-3-87536-244-1

Boualem Sansal - Das Dorf des DeutschenDas Dorf des Deutschen

Die Brüder Rachel und Malrich Schiller werden nach der grausamen Ermordung ihrer Eltern mit der Vergangenheit ihres deutschen Vaters konfrontiert. Der ältere der beiden, Rachel, zerbricht daran. Malrichs Versuch, zu verstehen, führt ihn von der Vergangenheit des Vaters in die Abgründe der Gegenwart…

Eine dichte Reflexion über Schuld und Verantwortung und ein leidenschaftliches Plädoyer für Freiheit und gegen jedwede Ideologisierung und Entmenschlichung.

ISBN: 978-3-87536-270-1

2. Platz der litprom-Bestenliste für Boualem Sansal
Die litprom-Bestenliste “Weltempfänger” stellt viermal im Jahr die sieben besten Bücher in deutscher Übersetzung von AutorInnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vor. Boualem Sansals Roman “Das Dorf des Deutschen” ist auf dem 2. Platz. Die Jury begründet ihre Entscheidung für den Roman: “Ein dichtes, den Leser in Bann schlagendes Meisterwerk eines der mutigsten Autoren des Maghreb - zwischen einem Dorf in Algerien, einer Pariser Banlieue und einer deutschen Herkunft spiegelt sich gegenwärtige Gewalt in einer gewaltigen Vergangenheit.”

Hamid Skif

geboren 1951 in Oran, gestorben 2012 in Hamburg

skif.JPGSehr geehrter Herr Präsident, wie angekündigt, habe ich vor der Tür des Cafés einen Tisch aufgestellt und zwei Tage geduldig gewartet, bis die Analphabeten meine Dienste in Anspruch nahmen. Obwohl die Gluthitze mir das Gehirn erweichte, zogen die ersten Kunden zufrieden ab. Das arabische Telefon hat das Übrige getan. Entgegen meiner eigenen Einschätzung genieße ich enormes Ansehen. Einem wohl informierten Klienten zufolge bin ich der einzige öffentliche Schreiber, der in ständiger Korrespondenz mit Ihnen steht.”

Übersetzt von Linde Birk

Edition Köln, ISBN 987-3-936791-007

Susannze Gehrmann/Methild Gilzmer (Hg.)

mechtild.JPGGeschlechterordnungen in Nordafrika - Umbrüche und Perspektiven in Literatur, Film und Gesellschaft

Die Beiträge in dem vorliegenden Sammelband setzen sich mit der Konstruktion von Gender und den Geschlechterbeziehungen in Nordafrika in der aktuellen gesellschaftlichen Praxis sowie der künstlerischen Reflexion in Literatur und Film auseinander. Durch interdisziplinäre und multiperspektivische Sichtweisen gelingt ein differenzierter Blick auf unsere Nachbarn jenseits des Mittelmeers.

Susanne Gehrmann ist Juniorprofessorin für afrikanische Literaturen und Kulturen an der Humboldt-Universität Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen frankophones Afrika, Gender, Migration.

Mechtild Gilzmer ist Gastprofessorin für französische und frankophone Literatur und Kultur an der Technischen Universität Berlin. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehört u.a. die frankophone Literatur aus dem Maghreb.

Verlag Donata Kinzelbach, 2008
ISBN 978-3-927069-89-3

Youssouf Amine Elalamy

kinzelbach.JPGGestrandet

Übersetzt von Barbara Gantner

Zwölf Männer und eine schwangere Frau machen sich nachts auf den Weg, um illegal mit einem Boot von Marokko nach Spanien zu gelangen, in die große Verheißung. Jeder trägt seine eigenen Hoffnung mit sich. Ein Schiffsbruch macht sie alle zunichte. Wie in einem antiken Chor lässt der Autor die einzelnen Stimmen auftreten und ihr Schicksal, ihre Illusionen und Niederlagen in oft atemloser Heftigkeit vortragen. Der Autor will dem Drama „durch die Literatur eine menschliche Dimension geben”. Die Verzweiflung der Opfer ist existentiell, erwachsen aus den Lebensverhältnissen in ihrem Heimatland. Wie Meereswellen wiederholen sich ihre Klagen…

Verlag Donata Kinzelbach, 2008
ISBN: 978-3-927069-91-6

Schöngeist

SchöngeistSchöngeist erscheint vier Mal im Jahr, jede Ausgabe steht unter einem
bestimmten Thema. Das Frühjahrsheft heißt “Hände” und enthält ein
Gedicht und Gemälde von Halima Lamine sowie Fotografien aus Algerien.

Das ganze Heft dreht sich um menschliche Hände: Hände die schreiben,
formen, streichen, führen, schlagen, berühren, fühlen, erzählen,
sticken, malen, meißeln, bauen, pflegen, zubereiten, gebären,
verrichten, herstellen, sich grüßen, spielen, beten, halten, werfen,
loslassen, sich öffnen, sich schließen, sich erheben, sich darstellen,
töten, suchen, finden, geben, nehmen. Volle Hände, leere Hände, aktive
Hände, träge Hände, bedürftige Hände. Hände, die schaffen, schöpfen und
sehnen. Hände, die sich finden, zusammenschließen, sich vereinen. (Tanja
Porstmann)

http://www.apodion.de/zeitung.htm

Inhaltsverzeichnis der Ausgabe Mai 2009 Ausgabe 05.2009: Sichtbarkeit; Begegnung; Zeitschnitt - Mit Lyrik und Malerei von Halima Lamine

Malika Mokeddem

Malika Mokeddem - Das Geheimnis der MutterDas Geheimnis der Mutter

Ausgelöscht aus ihrer Erinnerung hat Selma, die Protagonistin, einen Kindsmord, den sie als junges Mädchen heimlich mit ansah. Begangen hat ihn ihre eigene Mutter. Als junge Erwachsene verlässt Selma Algerien, ihr Land, ihre Kultur, ihre Familie, um sich in Frankreich ihren Traum zu verwirklichen: Ärztin zu werden. Die traumatische Wahrheit kommt aber wieder hervor, die Konfrontation mit der Mutter wird unausweichlich.

„Auch Algerien weist Rekordzahlen an Kindstötungen auf, was aber in keiner Statistik auftaucht. Das Land wird sich davon nur befreien, wenn es Aberglauben und Rückständigkeit überwindet”, schreibt die Autorin.

Ein kompromissloses, bewegendes Buch, in dem Malika Mokeddem mit Algerien abrechnet, mit ihrem, und mehr noch: mit der Mutter. Gnadenlos.

Donata Kinzelbach Verlag
ISBN: 978-3-927069-93-0

Aicha Bouabaci

Aicha Bouabaci - La lumière du désertLa lumière du désert

Poésie en français et en allemand / Gedichte in Deutsch und Französisch

Eine poetische Recherche nach der Wahrheit.  Aicha Bouabaci, die von sich als Dichterin sagt, „ le silence est ma raison” verbindet auf meisterliche Weise die Aktualität ihrer Aussagen mit klassischen dichterischen Gattungen und Formensprachen.

Éditions Joseph Ouaknine  (http://www.ouaknine.fr)
ISBN : 978-2-35664-017-8

Habib Tengour

Seelenperlmutt Seelenpermutt

Übersetzt von Regina Keil-Sagawe

Habib Tengour ist der Prototyp des maghrebinischen Migranten: „Das Exil ist mein Beruf, ihn zu wechseln ist hart”, resümiert er schon als 29-Jähriger seine Lebens- und Berufserfahrung. Später formuliert er jenes Motto, das die Lebensläufer ganzer Generationen (nicht nur) maghrebinischer Migranten reflektiert: „Es gibt wohl einen klar umgrenzten Raum genannt Maghreb, doch der Maghrebiner ist immer anderswo. Und er verwirklicht sich nur dort.”
Tengours Figuren sind Grenzgänger, die Grenzen so flirrend wie vielfältig, zwischen Diesseits und Jenseits, Tradition und Moderne, Traumwelt und Tagwelt, Orient und Okzident, dem Wir und dem Ich. Zwischen Welten, die Tengour schreibend zu fusionieren - und zu explorieren - versucht.

Verlag Hans Schiler (www.schiler.de)
ISBN: 978-3-89930-253-0

Aziz Chouaki

Stern von AlgierStern von Algier
Übersetzt von Barbara Gantner

Verlag Donata Kinzelbach, Mainz 2009
ISBN:  9783927069923

Rezension auf www.africa-live.de

Fadela Sebti

Ich, MireilleIch, Mireille

Ich, die nach der feierlichen Kommunion nie mehr einen Fuß in eine Kirche gesetzt hatte, ich, die ich mich seitdem für atheistisch hielt, da ich Gott nie angerufen hatte außer bei einem „Oh, mein Gott!”, wenn ich mich sehr erschreckt hatte oder bei einer Dummheit von Mehdi oder Sophia. Ich spürte plötzlich eine ungeheure Leere in mir, wie angesichts des Verlustes eines geliebten Wesens. Gerade hatte ich meinem christlichen Gott abgeschworen, an den ich nicht mehr zu glauben meinte, um mich an einen unbekannten und so eigenartigen Gott zu binden, der die Männer ermächtigte, vier Frauen zu heiraten und sie zu verstoßen, wenn es ihnen paßte. Ich hatte das tiefe warnende Gefühl, etwas nicht Wiedergutzumachendes zu begehen…

Verlag Donata Kinzelbach
ISBN: 978-3-927069-41-8

Albert Memmi

Das kleine UnglückDas kleine Unglück

Ich werde meine Kandidatur für den Friedensnobelpreis einreichen.

In Oslo wird man sich wundern: Es ist weder öffentlich bekannt, daß ich zwei Nationen davon überzeugt hätte, keinen Krieg mehr gegeneinander zu führen; genauso wenig habe ich die gewaltlose Befreiung eines Volkes erreicht oder ein Massaker an irgendeiner Minderheit verhindert.

Die gewissenhaften Skandinavier werden meine Bewerbung jedoch registrieren und mich befragen, worin denn meine Verdienste bestünden. Ich werden antworten: „Ich habe Frieden mit mir selbst geschlossen! Glauben Sie, das sei einfacher und weniger verdienstvoll als irgendein diplomatisches Vorhaben? Das Ergebnis jedenfalls ist wunderbar, das kann ich Ihnen versichern. Ach, welch ein Glück!”

Verlag Donata Kinzelbach
ISBN: 978-3-927069-43-4