Florence Hervé (Hg.)
wurde 1944 in Frankreich geboren und ist promovierte Germanistin. Sie bereiste mehrere Wüsten und veröffentlichte im AvivA Verlag bereits den Band “Sehnsucht nach den Bergen” über Schriftstellerinnen im Gebirge.
Im Bann der Wüste - Die Wüste ist ein Ort der Träume und Alpträume, des Glücks und des Schmerzes, des Lebens und des Todes. Mythen umgeben sie. Sie ist nicht nur Dürre und Einöde, sie kann blühen. Sie ist Symbol für Unendlichkeit und Freiheit. Faszination und Gefahr stehen nebeneinander.
Schriftstellerinnen wie Nelly Sachs und Ingeborg Bachmann, Isabelle Eberhardt und Else Lasker-Schüler, Assia Djebar und Christa Wolf erzählen von überwältigenden Erfahrungen, ungewissen Abenteuern, anderen Kulturen und zwischenmenschlichen Beziehungen und lassen eine ganz besondere Landschaft entdecken.
»Die Wüste. Reiner Raum, ausgelegt für die Reise der Phantasie.« (Etel Adnan)
AvivA Verlag, 2010
ISBN 978-3-932338-41-0
Boualem Sansal
wurde 1948 in Téniet el Had, Algerien, geboren. Seine literarische Karriere begann der gelernte Ingenieur und promovierte Ökonom erst im Alter von 50 Jahren.
Postlagernd: Algier
ist eine Aufforderung an alle aufgeklärten Weltbürger, öffentlich für Freiheit und Menschlichkeit und gegen die Indoktrinierung durch politische Systeme und Kasten einzutreten.
Deutsch von Ulrich Zieger
Merlin Verlag, 2008
ISBN 978-3-87536-267-1
Harraga
Sansals Hommage an die Frauen ist die vitale Geschichte zweier Heldinnen des Alltags. Lamia arbeitet als Kinderärztin in einem trostlosen Krankenhaus in Algier. Die Abende verbringt sie allein in ihrem alten Haus und hängt längst verblassten Erinnerungen nach. Von ihrer Familie ist nur ihr Bruder Sofiane geblieben, doch dessen Spur verliert sich auf dem Weg ins Gelobte Land Europa.
Alles ändert sich mit dem Tag, an dem Chérifa vor der Tür steht: 16 Jahre alt, schwanger, ohne Zuhause. Lamia ist entsetzt - Chérifa schert sich einen Teufel darum, was ein junges Mädchen in der arabischen Welt tun darf oder besser bleiben lässt. Und schon bald kommt es zu einem folgenschweren Streit.
Harraga - so bezeichnet man in Algerien diejenigen, die sich auf den Weg nach Europa gemacht haben. Unterwegs verbrennen sie ihre Papiere, um nicht wieder abgeschoben werden zu können.
Deutsch von Rieck Walther
Merlin Verlag, 2007
ISBN 978-3-87536-254
Erzähl mir was vom Paradies
Allabendlich treffen sich in der Bar des Amis in Algier ein Schriftsteller, ein alter Widerstandskämpfer, CAC 40 und Doc Tarik. Man raucht Zigaretten, gibt sich endloser Trinkerei hin und… übertrifft sich mit den unglaublichsten Geschichten. In der Bar erfinden sie Algerien neu: zwischen Traum, Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht und dem Elend des Alltags.
Da ist zum Beispiel die Geschichte von Doc Tarik. Sie handelt vom Kampf gegen die Cholera und die Krankenhausverwaltung, von Begegnungen mit der Staatssicherheit und dem Gefängnis. Tariks Reise in das Dorf seiner Kindheit wird zu einer Bestandsaufnahme des heutigen Algerien zwischen Farce und Alptraum.
Übersetzt von Regina Keil-Sagawe
Merlin Verlag, 2004
ISBN 978-3-87536-245-4
Das verrückte Kind aus dem holen Baum
Im Zuchthaus von Lambèse teilen sich zwei zum Tode Verurteilte die Zelle. Der 1957 in Algerien geborene Franzose Pierre Chaumet war heimlich ins Land zurückgekehrt, um seine leibliche Mutter wiederzufinden. Der Algerier Farid hat sich vormals an den Grausamkeiten der Islamisten beteiligt. Während Pierre und Farid in ihrer Zelle über das Leben und Algerien diskutieren, bereitet die internationale Menschenrechtskommission ihren Besuch im Gefängnis vor. Angesichts dessen gerät die Verwaltung von Lambèse in helle Aufregung…
Übersetzt von Riek Walther
Merlin Verlag, 2002
ISBN 978-3-87536-244-1
Die Brüder Rachel und Malrich Schiller werden nach der grausamen Ermordung ihrer Eltern mit der Vergangenheit ihres deutschen Vaters konfrontiert. Der ältere der beiden, Rachel, zerbricht daran. Malrichs Versuch, zu verstehen, führt ihn von der Vergangenheit des Vaters in die Abgründe der Gegenwart…
Eine dichte Reflexion über Schuld und Verantwortung und ein leidenschaftliches Plädoyer für Freiheit und gegen jedwede Ideologisierung und Entmenschlichung.
ISBN: 978-3-87536-270-1
2. Platz der litprom-Bestenliste für Boualem Sansal
Die litprom-Bestenliste “Weltempfänger” stellt viermal im Jahr die sieben besten Bücher in deutscher Übersetzung von AutorInnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vor. Boualem Sansals Roman “Das Dorf des Deutschen” ist auf dem 2. Platz. Die Jury begründet ihre Entscheidung für den Roman: “Ein dichtes, den Leser in Bann schlagendes Meisterwerk eines der mutigsten Autoren des Maghreb - zwischen einem Dorf in Algerien, einer Pariser Banlieue und einer deutschen Herkunft spiegelt sich gegenwärtige Gewalt in einer gewaltigen Vergangenheit.”
Hamid Skif
geboren 1951 in Oran, lebt mit seiner Familie zur Zeit im Exil in Hamburg.
Sehr geehrter Herr Präsident, wie angekündigt, habe ich vor der Tür des Cafés einen Tisch aufgestellt und zwei Tage geduldig gewartet, bis die Analphabeten meine Dienste in Anspruch nahmen. Obwohl die Gluthitze mir das Gehirn erweichte, zogen die ersten Kunden zufrieden ab. Das arabische Telefon hat das Übrige getan. Entgegen meiner eigenen Einschätzung genieße ich enormes Ansehen. Einem wohl informierten Klienten zufolge bin ich der einzige öffentliche Schreiber, der in ständiger Korrespondenz mit Ihnen steht.”
Übersetzt von Linde Birk
Edition Köln, ISBN 987-3-936791-007
Susannze Gehrmann/Methild Gilzmer (Hg.)
Geschlechterordnungen in Nordafrika - Umbrüche und Perspektiven in Literatur, Film und Gesellschaft
Die Beiträge in dem vorliegenden Sammelband setzen sich mit der Konstruktion von Gender und den Geschlechterbeziehungen in Nordafrika in der aktuellen gesellschaftlichen Praxis sowie der künstlerischen Reflexion in Literatur und Film auseinander. Durch interdisziplinäre und multiperspektivische Sichtweisen gelingt ein differenzierter Blick auf unsere Nachbarn jenseits des Mittelmeers.
Susanne Gehrmann ist Juniorprofessorin für afrikanische Literaturen und Kulturen an der Humboldt-Universität Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen frankophones Afrika, Gender, Migration.
Mechtild Gilzmer ist Gastprofessorin für französische und frankophone Literatur und Kultur an der Technischen Universität Berlin. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehört u.a. die frankophone Literatur aus dem Maghreb.
Verlag Donata Kinzelbach, 2008
ISBN 978-3-927069-89-3
Youssouf Amine Elalamy
Gestrandet
Übersetzt von Barbara Gantner
Zwölf Männer und eine schwangere Frau machen sich nachts auf den Weg, um illegal mit einem Boot von Marokko nach Spanien zu gelangen, in die große Verheißung. Jeder trägt seine eigenen Hoffnung mit sich. Ein Schiffsbruch macht sie alle zunichte. Wie in einem antiken Chor lässt der Autor die einzelnen Stimmen auftreten und ihr Schicksal, ihre Illusionen und Niederlagen in oft atemloser Heftigkeit vortragen. Der Autor will dem Drama „durch die Literatur eine menschliche Dimension geben”. Die Verzweiflung der Opfer ist existentiell, erwachsen aus den Lebensverhältnissen in ihrem Heimatland. Wie Meereswellen wiederholen sich ihre Klagen…
Verlag Donata Kinzelbach, 2008
ISBN: 978-3-927069-91-6
Schöngeist
Schöngeist erscheint vier Mal im Jahr, jede Ausgabe steht unter einem
bestimmten Thema. Das Frühjahrsheft heißt “Hände” und enthält ein
Gedicht und Gemälde von Halima Lamine sowie Fotografien aus Algerien.
Das ganze Heft dreht sich um menschliche Hände: Hände die schreiben,
formen, streichen, führen, schlagen, berühren, fühlen, erzählen,
sticken, malen, meißeln, bauen, pflegen, zubereiten, gebären,
verrichten, herstellen, sich grüßen, spielen, beten, halten, werfen,
loslassen, sich öffnen, sich schließen, sich erheben, sich darstellen,
töten, suchen, finden, geben, nehmen. Volle Hände, leere Hände, aktive
Hände, träge Hände, bedürftige Hände. Hände, die schaffen, schöpfen und
sehnen. Hände, die sich finden, zusammenschließen, sich vereinen. (Tanja
Porstmann)
http://www.apodion.de/zeitung.htm
Ausgabe 05.2009: Sichtbarkeit; Begegnung; Zeitschnitt - Mit Lyrik und Malerei von Halima Lamine
Malika Mokeddem
Ausgelöscht aus ihrer Erinnerung hat Selma, die Protagonistin, einen Kindsmord, den sie als junges Mädchen heimlich mit ansah. Begangen hat ihn ihre eigene Mutter. Als junge Erwachsene verlässt Selma Algerien, ihr Land, ihre Kultur, ihre Familie, um sich in Frankreich ihren Traum zu verwirklichen: Ärztin zu werden. Die traumatische Wahrheit kommt aber wieder hervor, die Konfrontation mit der Mutter wird unausweichlich.
„Auch Algerien weist Rekordzahlen an Kindstötungen auf, was aber in keiner Statistik auftaucht. Das Land wird sich davon nur befreien, wenn es Aberglauben und Rückständigkeit überwindet”, schreibt die Autorin.
Ein kompromissloses, bewegendes Buch, in dem Malika Mokeddem mit Algerien abrechnet, mit ihrem, und mehr noch: mit der Mutter. Gnadenlos.
Donata Kinzelbach Verlag
ISBN: 978-3-927069-93-0
Aicha Bouabaci
Poésie en français et en allemand / Gedichte in Deutsch und Französisch
Eine poetische Recherche nach der Wahrheit. Aicha Bouabaci, die von sich als Dichterin sagt, „ le silence est ma raison” verbindet auf meisterliche Weise die Aktualität ihrer Aussagen mit klassischen dichterischen Gattungen und Formensprachen.
Éditions Joseph Ouaknine (http://www.ouaknine.fr)
ISBN : 978-2-35664-017-8
Habib Tengour
Übersetzt von Regina Keil-Sagawe
Habib Tengour ist der Prototyp des maghrebinischen Migranten: „Das Exil ist mein Beruf, ihn zu wechseln ist hart”, resümiert er schon als 29-Jähriger seine Lebens- und Berufserfahrung. Später formuliert er jenes Motto, das die Lebensläufer ganzer Generationen (nicht nur) maghrebinischer Migranten reflektiert: „Es gibt wohl einen klar umgrenzten Raum genannt Maghreb, doch der Maghrebiner ist immer anderswo. Und er verwirklicht sich nur dort.”
Tengours Figuren sind Grenzgänger, die Grenzen so flirrend wie vielfältig, zwischen Diesseits und Jenseits, Tradition und Moderne, Traumwelt und Tagwelt, Orient und Okzident, dem Wir und dem Ich. Zwischen Welten, die Tengour schreibend zu fusionieren - und zu explorieren - versucht.
Verlag Hans Schiler (www.schiler.de)
ISBN: 978-3-89930-253-0
Aziz Chouaki
Stern von Algier
Übersetzt von Barbara Gantner
Verlag Donata Kinzelbach, Mainz 2009
ISBN: 9783927069923
Rezension auf www.africa-live.de
Fadela Sebti
Ich, die nach der feierlichen Kommunion nie mehr einen Fuß in eine Kirche gesetzt hatte, ich, die ich mich seitdem für atheistisch hielt, da ich Gott nie angerufen hatte außer bei einem „Oh, mein Gott!”, wenn ich mich sehr erschreckt hatte oder bei einer Dummheit von Mehdi oder Sophia. Ich spürte plötzlich eine ungeheure Leere in mir, wie angesichts des Verlustes eines geliebten Wesens. Gerade hatte ich meinem christlichen Gott abgeschworen, an den ich nicht mehr zu glauben meinte, um mich an einen unbekannten und so eigenartigen Gott zu binden, der die Männer ermächtigte, vier Frauen zu heiraten und sie zu verstoßen, wenn es ihnen paßte. Ich hatte das tiefe warnende Gefühl, etwas nicht Wiedergutzumachendes zu begehen…
Verlag Donata Kinzelbach
ISBN: 978-3-927069-41-8
Albert Memmi
Ich werde meine Kandidatur für den Friedensnobelpreis einreichen.
In Oslo wird man sich wundern: Es ist weder öffentlich bekannt, daß ich zwei Nationen davon überzeugt hätte, keinen Krieg mehr gegeneinander zu führen; genauso wenig habe ich die gewaltlose Befreiung eines Volkes erreicht oder ein Massaker an irgendeiner Minderheit verhindert.
Die gewissenhaften Skandinavier werden meine Bewerbung jedoch registrieren und mich befragen, worin denn meine Verdienste bestünden. Ich werden antworten: „Ich habe Frieden mit mir selbst geschlossen! Glauben Sie, das sei einfacher und weniger verdienstvoll als irgendein diplomatisches Vorhaben? Das Ergebnis jedenfalls ist wunderbar, das kann ich Ihnen versichern. Ach, welch ein Glück!”
Verlag Donata Kinzelbach
ISBN: 978-3-927069-43-4